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Veränderte Familienbeziehungen

Ehe Sie es sich versehen, ist Ihr Kind schon fast erwachsen. Zumindest behauptet es dies seit seinem 14. Lebensjahr. Mit 16/17 Jahren rückt seine Volljährigkeit aber ja tatsächlich näher.

Der Weg dorthin war und ist begleitet von Vorstellungen, Erwartungen und Verhaltensweisen, die Eltern nicht selten an ihre Grenzen bringen. Ständiger Streit mit ihnen scheint zum Wachstum des Kindes dazuzugehören. Die Nerven der Eltern liegen häufig blank.

Ihr Kind testet seine Grenzen bis zum Äußersten aus. Die bisherige Grundlage, auf der das Zusammenleben mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn recht gut funktionierte, funktioniert nicht mehr. Nichts gilt mehr. Und doch dürfen Sie sich als Eltern gerade jetzt nicht zurückziehen. Stattdessen müssen Sie neue Wege für Ihr eigenes Verhalten finden.

Hinter dem Verhalten Ihres Kindes verbirgt sich die Suche nach einer Antwort auf die Frage "Wer bin ich?". Da bewegt es sich zwangsläufig von Ihnen, seinen Eltern weg. Das bedeutet nicht, dass es Sie nicht mehr braucht, auch wenn es so scheint. Im Gegenteil. Ihr Nachwuchs sucht auf seinem Weg hinaus in die Welt immer wieder die Nähe zu Ihnen.

Stellen Sie ihm Ihre Lebenserfahrung, Ihre Fähigkeiten, Ihre Liebe zur Verfügung. Setzen Sie, wenn es nötig wird, Grenzen zur Orientierung. Bieten Sie gedankliche und auch praktische Unterstützung an. Geben Sie Ihrem Nachwuchs gleichzeitig Halt und Freiheit. So kann diese Zeit ein Gewinn für beide werden, für Eltern und Kind.

Nicht mehr Kind – schon erwachsen?
Das Kind wird erwachsen – die Familie verändert sich
Das Kind wird erwachsen – Krise bei den Eltern?

Nicht mehr Kind - schon erwachsen?

Auf dem Weg zur Volljährigkeit gewinnt Ihr Sprössling eine immer größer werdende Selbstständigkeit. Mit Wehmut denken Sie an Ihr doch vor kurzem noch so kleines Kind zurück. Wie schön war das, als es noch mit so vielem, was die Eltern von ihm wollten, einverstanden war.

Jetzt dagegen verwechselt es das Erwachsenwerden damit, tun und lassen zu können, was es will. (Die Übernahme von Verantwortung dieses Tuns und Lassens wird dabei gern vernachlässigt). Elterliche Sorge wird als völlig übertrieben und somit für überflüssig gehalten. Ihr Kind glaubt, alles auskosten zu müssen, nichts in diesem so schönen Leben versäumen zu dürfen. Sie dagegen glauben, dass es eine Umgebung bevorzugt, die es gefährdet.

Ihr Nachwuchs wird bald volljährig. Noch bewegt er sich zwischen den Welten der Kinder und der Erwachsenen. Auf dem Weg von der einen in die andere braucht es die Unterstützung teilnehmender, an seiner Entwicklung interessierter Eltern.

In dieser Zeit verändert sich nicht nur das Leben des Nachwuchses. Alle Familienmitglieder müssen eine neue Einstellung zur Gestaltung ihres Lebens bekommen. Und das heißt, die Familienbeziehungen verändern sich.

Das Kind wird erwachsen - die Familie verändert sich

Ihr Kind wird erwachsen. Die Familie befindet sich in einer Zeit der Veränderung, des Wandels, der Entwicklung. Das ist anstrengend - für alle.

Egal, ob Ihr Kind die erste Zeit seiner Pubertät heftig, laut, schrill durchlebte oder sich eher in seine Innenwelt zurückzog. Das harmonische Familienleben geriet häufig ins Wanken.

Jetzt, in dem Alter zwischen 16 und 18 Jahren, wird der Umgang mit Ihrem Nachwuchs immer mehr zu einer Gratwanderung. Einerseits sollen Sie sich nicht mehr in sein Tun und Lassen einmischen. Andererseits will Ihr Kind selbstverständlich, dass Sie sich für sein Leben interessieren. Es wünscht sich, dass Sie ihm zuhören, dass es Gefühle äußern darf. Allerdings ohne dass Sie Ihre Bemerkungen dazu abgeben.

Ihr Sprössling verlangt von Ihnen Anerkennung für sein Streben nach mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Beides ist übrigens häufig nicht ausgewogen. Und das verlangt Gelassenheit und Geduld von Ihnen.

Wenn Ihr Kind sich nicht an Ihren Lebenserfahrungen und Ihrer Lebensführung orientieren will, nehmen Sie das als etwas Normales hin. In der Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben muss es eigene Wege gehen dürfen. Verbote, Bestrafung, Abwertung seines Tuns, gar Ablehnung der Tochter/des Sohnes, so, wie sie/er im Moment ist, belasten die Familienbeziehungen außerordentlich.

Ihr Kind ist dabei, sich von Ihnen zu lösen. Das ist schmerzhaft, vielleicht auch kränkend für Sie. Möglicherweise vermittelt Ihnen der Ablösungsprozess das Gefühl, überflüssig zu sein. Das sind Sie nicht! Ihr Kind möchte weiterhin Ihr Verständnis, Ihr Interesse an seinem Leben. Es möchte Halt bei Ihnen suchen dürfen. Auch wenn es ihn gleichzeitig zurückzuweisen scheint.

Ihr Nachwuchs bewegt sich von Ihnen weg. Er möchte immer mehr über sein Leben bestimmen. Wünsche nach einem Auslandsaufenthalt werden geäußert. Vielleicht spricht Ihr Kind bereits davon, ausziehen zu wollen. Das alles sind Schritte, die ins Erwachsenenleben führen. Das heißt dagegen nicht, dass Ihr Kind keine Beziehung mehr zu Ihnen möchte. Es heißt nur, dass es erwachsen wird.

Abschiednehmen von der Kindheit, das gilt nicht nur für das Kind, sondern auch für seine Eltern. Und das verändert die Familiensituation grundlegend.

Das Kind wird erwachsen - Krise bei den Eltern?

Der Nachwuchs wird erwachsen. Der Zeitpunkt rückt näher, an dem Ihr Kind ein selbstständiges Leben führen möchte. Das erfüllt Sie mit Wehmut.

Gleichzeitig verschafft es Ihnen Freiräume, die Sie mit der Geburt Ihres Kindes weitgehend aufgeben mussten.

Manche Eltern freuen sich darüber. Andere fühlen sich nutzlos. Es ängstigt sie, dass sie jetzt über mehr Zeit verfügen. Sie wissen vielleicht nicht, wie sie sie füllen sollen.

Der Gedanke, dass ihr Kind bald das Elternhaus verlassen könnte, lässt manche Eltern nicht mehr ruhig schlafen. So richten sie das "Hotel Mama" ein, um den Nachwuchs an das Elternhaus zu binden. Damit vernachlässigen sie eine wichtige Erziehungsaufgabe. Nämlich dem Kind bei seinem Ablösungsprozess zu helfen.

Auch wenn es Sie schmerzt, Sie müssen Ihrem Kind deutlich machen, dass Sie es ohne Groll ziehen lassen. Dass es, auch wenn es geht, trotzdem jederzeit Unterstützung, Interesse, Zuwendung von seinen Eltern erwarten darf.

Das ist nicht einfach. Auch wenn Sie selbstverständlich Eltern bleiben, von Ihrer Elternrolle müssen Sie sich trotzdem allmählich verabschieden. Sie müssen sich vorbereiten auf ein, vielleicht, langes Leben ohne Kinder beziehungsweise ohne weiterhin verantwortlich für sie zu sein.

Damit wird Ihnen eine wesentliche Aufgabe entzogen, die Sie lange Jahre erfüllt haben. Das Leben jenseits des Mutter- bzw. Vaterseins bekommt immer mehr Gewicht. Das führt zu Veränderungen in den übrigen Beziehungen. Zur Partnerin beziehungsweise zum Partner, zu Freundinnen und Freunden, zu Bekannten.

Sie können und müssen sich wieder vermehrt anderen Aufgaben zuwenden. Ihr Kind wird es Ihnen danken, wenn es merkt, dass seine Eltern ein eigenes Leben haben. Dass Sie selbst dafür sorgen, dass es Ihnen gut geht und nicht Ihr Kind dafür verantwortlich machen. Dass Sie es schaffen, Ihren Nachwuchs auf dem Weg zum Erwachsenwerden mehr und mehr loszulassen.