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Einkoten

Bei vielen Kindern verläuft die Sauberkeitserziehung völlig problemlos. Wenn der richtige Zeitpunkt – meist im Alter von etwa zwei bis drei Jahren – gekommen ist, möchten Kinder oft selbst keine Windel mehr tragen, sondern die Toilette benutzen.

Wie bei allen neu zu lernenden Dingen, klappt auch die Kontrolle über die eigenen Ausscheidungen natürlich nicht auf Anhieb. Es dauert einige Zeit, bis sie in jeder Situation kontrolliert werden können. Die Mehrzahl der Kinder beherrscht eher die Kontrolle der Schließmuskulatur des Darms als die der Blase, auch wenn es anfangs durchaus einmal vorkommen kann, dass ein Häufchen hinter das Sofa gesetzt wird, statt in die Toilette.

Für manche Kinder und ihre Eltern wird die Sauberkeitserziehung, also auch die Kontrolle der Blasentätigkeit, aber zu einem Problem, welches sie über Jahre hinweg beschäftigt. Vor allem dann, wenn es einem Kind nicht gelingt, seine Ausscheidungen des Darms ausschließlich in der Toilette abzusetzen, führt das zu erheblichen Belastungen für das betreffende Kind und seine Eltern. Wegen der Geruchsbelästigung distanzieren sich viele Gleichaltrige von betroffenen Kindern, machen sich lustig oder beschimpfen sie.

Auch Eltern sprechen nicht gerne über dieses Problem. Schuld- und Schamgefühle sowie die Erwartung, auf Unverständnis zu treffen, führen leider oft dazu, dass es sehr lange dauert, bis Eltern sich um professionelle Hilfe und Unterstützung bemühen.

Ab welchem Alter wird Einkoten zur Auffälligkeit?
Warum hat mein Kind Schwierigkeiten mit der Kontrolle über seine Ausscheidungen?
Können wir dieses Problem unseres Kindes selbst in den Griff bekommen?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Wie kann ich meinem Kind helfen?

Ab welchem Alter wird Einkoten zur Auffälligkeit?

Von Einkoten, welches in Fachkreisen als Enkopresis bezeichnet wird, als Störung wird erst bei Kindern gesprochen, die mindestens vier Jahre alt sind.

Manche der betroffenen Kinder entleeren ihren Darm absichtlich an ungeeigneten Stellen – meist in die Kleidung, manchmal auch auf den Fußboden oder ins Bett.

Bei der überwiegenden Mehrzahl der Kinder passiert es jedoch unabsichtlich.

Auch bei Kindern, die bereits "sauber" waren, kann es manchmal aufgrund von außergewöhnlichen Belastungen oder in Ausnahmesituationen zum erneuten Einkoten kommen.

Eine Störung wird aber nur diagnostiziert, wenn ein Kind länger als drei Monate mindestens einmal monatlich einkotet.

Außerdem darf das Einkoten nicht mit bestimmten Substanzen wie beispielsweise Abführmittel im Zusammenhang stehen. Auch wenn das Kind unter einer Darmerkrankung leidet, handelt es sich um keine Enkopresis.

Warum hat mein Kind Schwierigkeiten mit der Kontrolle über seine Ausscheidungen?

Die genauen Ursachen lassen sich oft nicht feststellen.

Häufig entsteht Einkoten als Störung dadurch, dass die Kinder den Stuhl ständig zurückhalten und damit eine chronische Verstopfung auslösen. Als Folge des überfüllten Darms kann dies zur dauernden unbemerkten Entleerung führen. In diesem Fall kommt es zum häufigen Absetzten geringer Mengen Kot, der verschiedenste Konsistenz aufweisen kann, manchmal sogar dünnflüssig ist.

Die Gründe für das Zurückhalten des Stuhls können unterschiedlich sein:

  • Einige Kinder berichten von Schmerzen oder sonstigen negativen Erlebnissen beim Toilettengang. So können beispielsweise vorübergehende Entzündungen an der Analöffnung Schmerzen beim Absetzen des Stuhls verursachen und die Kinder in der Folge zum Zurückhalten bewegen. Manche Kinder behalten diese "Angewohnheit" auch dann bei, wenn keine Schmerzen mehr auftreten.

  • In anderen Fällen haben die betroffenen Kinder normalen Stuhlgang, den sie nur nicht an den dafür vorgesehenen Stellen absetzen. Oft bringen diese Kinder damit ihren Widerstand oder ihre Ablehnung gegenüber elterlichen Forderungen unbewusst zum Ausdruck.

  • Meist traten in den betroffenen Familien während der Sauberkeitserziehung außergewöhnliche erzieherische Schwierigkeiten auf.

  • In einigen Fällen berichten Eltern auch von ungünstigen äußeren Bedingungen während dieser Zeit. So können etwa erhebliche Veränderungen der familiären Situation wie Trennung der Eltern, Verlust oder schwere Erkrankung eines Familienangehörigen oder auch die Geburt eines Geschwisterkindes schwere emotionale Belastungen hervorrufen und damit die Grundlage weiterer Schwierigkeiten darstellen.

  • Die Störung kann völlig unabhängig von anderen Auffälligkeiten entstehen. Oft leiden die betroffenen Kinder aber gleichzeitig unter weiteren Störungen.

Etwa ein Viertel der Kinder ist gleichzeitig nicht in der Lage, seine Blase zu kontrollieren (Einnässen).

Manchmal leiden die Kinder auch unter einer Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung, die auch eine unzureichende Wahrnehmung körperlicher Signale bedingt.

Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten jeder Art koten ebenfalls überdurchschnittlich häufig ein. Darunter sind vor allem Kinder, die ein besonders ausgeprägtes Trotzverhalten zeigen.

Können wir dieses Problem unseres Kindes selbst in den Griff bekommen?

Ein Kinderarzt stellt die eindeutige Diagnose

Wenn Ihr Kind älter als vier Jahre alt ist und wiederholt einkotet, sollten Sie zunächst mit Ihrem Kinderarzt sprechen, da auch eine Reihe organischer Ursachen für das Problem ihres Kindes in Frage kommen könnten. Nur Ihr Arzt kann solche feststellen und gegebenenfalls behandeln.

Erst wenn keine organischen Erkrankungen nachweisbar sind, handelt es sich tatsächlich um eine Enkopresis.

Sicher haben Sie schon viele verschiedene Vorgehensweisen ausprobiert, welche – wenn überhaupt – nur teilweise den gewünschten Erfolg erbracht haben. Wahrscheinlich sind Sie und auch Ihr Kind durch solche gescheiterten Versuche nur noch mehr frustriert worden.

Viele Betroffene warten aus diesem Grund einfach nur noch ab, ob nicht von alleine eine Besserung eintritt, was durchaus vorkommen kann. Allerdings muten Sie sich und Ihrem Kind mit einer solchen abwartenden Haltung auch ein unnötig langes Fortbestehen der damit zusammenhängenden Belastungen zu.

Da zur Behandlung einkotender Kinder erfolgreiche Trainingsprogramme entwickelt wurden, ist es wesentlich sinnvoller, sich frühzeitig um professionelle Unterstützung zu bemühen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Das Einkoten Ihres Kindes kann erfolgreich therapiert werden. In jedem Fall muss der Therapie aber eine medizinische Untersuchung vorausgehen, um organische Ursachen ausschließen zu können.

Da viele einkotende Kinder zusätzlich unter weiteren Auffälligkeiten oder Störungen leiden, ist darüber hinaus eine psychologische Untersuchung notwendig, damit geeignete Therapieschritte geplant werden können.

Liegt beispielsweise gleichzeitig eine Aufmerksamkeits-/ Hyperaktivitätsstörung vor, ist es sinnvoll, diese zuerst gezielt zu behandeln.

Andere Störungen wie etwa das Einnässen können hingegen gleichzeitig behandelt werden.

Wenn Ihr Kind an einer chronischen Verstopfung leidet, wird diese vor dem Beginn der Therapie medizinisch behandelt.

Zum Einsatz kommen meist Trainingsprogramme, die darauf abzielen, das Problemverhalten zu ändern, da sie die besten Heilungserfolge aufweisen. Dabei lernt Ihr Kind, seine Verhaltensweisen schrittweise zu verändern.

Damit sowohl Ausgangslage als auch Veränderungen genau erfasst werden können, ist es notwendig, dass Sie genau aufschreiben, in welchen Situationen Ihr Kind einkotet.

Weiterhin findet ein sogenanntes Toilettentraining statt, d. h. gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind wird genau geplant, zu welchen Zeitpunkten Ihr Kind täglich zur Toilette gehen und wie lange es dort mindestens bleiben soll.

Auch wenn Ihr Kind dazu anfangs sicher Ihre Unterstützung benötigt, lernt es langfristig im Laufe der Behandlung, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und selbstständig zu handeln.

Die Therapie wird in den meisten Fällen ambulant von Psychotherapeuten für Kinder- und Jugendliche durchgeführt.

Ihr Kinderarzt kann Sie an einen geeigneten Therapeuten überweisen.

Unterstützung und Beratung können Sie auch bei einer Erziehungsberatungsstelle erhalten.

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Wenn Ihr Kind ab dem Vorschulalter noch einkotet, ist das nicht nur für Sie als Eltern, sondern vor allem auch für Ihr Kind sehr belastend.

Scham- und Schuldgefühle werden aber eher stärker, wenn Sie Ihr Kind wegen des Einkotens beschimpfen oder bestrafen. Wahrscheinlich ist Ihr Kind ohnehin sehr traurig, enttäuscht und schämt sich, wenn "es" passiert.

Alle betroffenen Kinder leiden aber auch aufgrund der Einschränkungen im sozialen Bereich, die ihr Problem mit sich bringt. Sie trauen sich oft nicht, auf Klassenfahrten mitzufahren oder vermeiden ein längeres Zusammensein mit anderen Kindern, weil sie große Angst davor haben, dass andere ihr Problem bemerken.

Leider reagieren Gleichaltrige oft wenig mitfühlend, wenn sie davon erfahren. Die betroffenen Kinder werden nicht selten gehänselt und ausgelacht.

Sie als Eltern können Ihrem Kind jedoch helfen, sein Selbstbewusstsein zu stärken. Sie können ihm die Sicherheit vermitteln, dass es von Ihnen auch trotz seines "Problems" geliebt und anerkannt wird.

Das Einkoten sollte nicht zum zentralen familiären Thema werden, da dies gerade der Bereich ist, durch den das Selbstbewusstsein Ihres Kindes vermindert ist. Bestimmt hat Ihr Kind viele andere Fähigkeiten und besondere Begabungen, für die es Ihr Lob und Ihre Anerkennung verdient.

Sie können Ihrem Kind auch helfen, indem Sie mit ihm über seine Ängste vor der Aufdeckung seines Problems und geeignete Reaktionen auf Hänseleien sprechen. Vielleicht hilft es Ihrem Kind auch, sich einem Freund oder einer Freundin anzuvertrauen. Sie können ihm helfen, die geeigneten Worte zu finden.

Neben der Stärkung Ihres Kindes ist es aber auch wichtig, dass Sie etwas unternehmen, damit der Grund der Belastung Ihres Kindes möglichst schnell beseitigt werden kann und Ihrem Kind ein langer Leidensweg erspart bleibt. Bemühen Sie sich deshalb in jedem Fall um eine baldige Behandlung Ihres Kindes und vermitteln Sie ihm die Zuversicht, dass sie gemeinsam mit professioneller Hilfe das Problem in den Griff bekommen können.

Da die Therapie in der Regel ambulant durchgeführt wird, ist Ihre Mithilfe und Unterstützung unbedingt erforderlich, damit sie erfolgreich verlaufen kann. Eine umfassende Elternberatung ist immer Bestandteil der Therapie.