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Die soziale Entwicklung

Im vierten Lebensjahr klingt die Trotzphase langsam ab. Zunehmend entdeckt das Kind, dass es Überschneidungen zwischen dem eigenen Willen und dem Willen der anderen gibt.

Es ist verhandlungsbereit, was für die Eltern eine gewisse Umstellung bedeutet. Auch sie sind aufgefordert, Kompromissbereitschaft zu zeigen.

Die erweiterten sprachlichen Fähigkeiten helfen dem Kind, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen.

Es übernimmt zunächst die sozialen Umgangsformen, die in der Familie gepflegt werden. Zunehmend löst es sich von seiner unmittelbaren Umgebung.

Warum sind andere Kinder so wichtig?
Einige "Spiel"-Regeln
Meine Kinder wollen nicht teilen
Mein Kind wehrt sich nicht
Mein Kind ist ein Angeber!?
Kann ich mein Kind allein zu Hause lassen?
Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht

Warum sind andere Kinder so wichtig?

Das Kind löst sich langsam von den Eltern. Gleichaltrige Freunde oder auch Erwachsene aus der näheren Umgebung bekommen größere Bedeutung. Es sucht den Kontakt zu anderen Kindern. Die ersten Freundschaften entstehen.

Im Kontakt mit anderen Kindern bekommt das Kind neue Anregungen und kann seine Fähigkeiten entfalten. Es lernt seine Grenzen kennen. Das Kind vergleicht sich mit den anderen und kann sich selbst und sein Verhalten besser einschätzen. Es lernt, sich in eine Gruppe einzufügen und gemeinsame Ziele zu verfolgen.

Natürlich gibt's oft Streit: Die allerbeste Freundin kann ganz schnell von ihrem Podest gestürzt werden. Spielen und Streiten gehören zusammen.

Noch sind Freundschaften zwischen Jungen und Mädchen unproblematisch. Später befreunden sich mehr die Mädchen und Jungs untereinander.

Einige "Spiel"-Regeln

Haben die Kinder bisher eher nebeneinanderher gespielt, beginnen sie nun, miteinander zu spielen. Das will allerdings gelernt sein. Noch entsteht oft Streit, wenn jeder etwas anderes will.

Geben Sie Ihrem Kind einige Regeln mit auf den Weg:

  • Nicht mit Gegenständen aufeinander losgehen : Kinder können in diesem Alter ihre Kräfte noch nicht richtig einschätzen. Auch ist ihnen nicht klar, was beispielsweise ein spitzer Gegenstand alles anrichten kann.
  • Nicht gegen Kleinere und Schwächere : Was nicht bedeutet, dass Kleinere oder Schwächere immer im Recht sind. Manchmal nützen beispielsweise kleinere Geschwister ihre körperliche Unterlegenheit aus und provozieren die Größeren, bis diese handgreiflich werden. Trotzdem unterschätzen Größere in der Wut oft ihre Kraft. Besser ist es, Provokationen mit Köpfchen statt mit Muskeln zu begegnen.
  • Nicht alle gegen einen: Leider ist dies nicht selbstverständlich. Nicht nur Kinder fühlen sich in der Gruppe stark. Werden Kinder beispielsweise im Rollenspiel in die Lage des Einzelnen versetzt, sehen sie ein, wie hilflos man sich allein gegen eine Gruppe fühlt.
  • Aufhören, wenn einer nicht mehr will: Machen Sie vor dem Spiel mit den Kindern Signalwörter aus, die auch im wildesten Spielgetümmel bedeuten: Jetzt ist Schluss! Wird es einem Kind zu viel, ruft es beispielsweise "Spielstopp" und das Spiel wird sofort beendet.

Meine Kinder wollen nicht teilen

Tauschen und teilen fällt in diesem Alter noch schwer. Dabei geht es nicht immer um die Dinge selbst, sondern darum, überhaupt etwas zu besitzen.

Am liebsten möchten die Kinder alles besitzen. Die Tatsache, dass die anderen leer ausgehen könnten, ist ihnen in diesem Alter noch egal. Auf andere Rücksicht zu nehmen und sich in sie hineinzuversetzen, wird erst langsam gelernt.

Gibt es Streit, beispielsweise um Schokolade, hilft die alte Regel: Einer teilt, der andere wählt.

Mein Kind wehrt sich nicht

"Lass dir nicht alles gefallen!" "Hau zurück!" Wird ihr Kind von anderen Kindern ungerecht behandelt, fordern viele Eltern ihren Sprössling auf, sich zu wehren. Oft empfinden sie die Ungerechtigkeit gegenüber ihrem eigenen Kind, als würden sie selbst so behandelt.

Die Aufforderung, sich zu wehren, bewirkt bei dem Kind das Gegenteil. Es ist sowieso gedemütigt, wenn es beispielsweise gerade verhauen worden ist. Weiterer Druck ist für das Selbstbewusstsein nicht förderlich.

Die Befürchtung, das Kind würde nie lernen, sich durchzusetzen, ist unbegründet. Ein fünfjähriger Rambo ist oft nur vordergründig beliebt bei den anderen Kindern.

Als Erwachsener einzugreifen und die anderen Kinder zu beschimpfen, bewirkt das Gegenteil. Das Kind wird zum "Mama-Kind". Es hat einen noch schlechteren Stand bei den anderen Kindern. Sind die Eltern mal nicht dabei, wird ihm noch schlimmer zugesetzt.

So können Sie Ihrem Kind helfen:

  • Selbstbewusstsein stärken: Ein selbstbewusstes Kind wird nicht so schnell zum Opfer. Gibt es Bereiche, die Ihr Kind gut kann, fördern Sie diese. Kann es beispielsweise gut schwimmen oder Fußball spielen, erwirbt es Selbstbewusstsein und Anerkennung bei den anderen. Dazu gehört auch, dass Ihr Kind mal etwas besser kann als Sie selbst.
  • Taktik überlegen: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie es sich beim nächsten Mal verhalten könnte. Wird ihm immer wieder Spielzeug weggenommen, könnte es dies einfach festhalten und schnell davonlaufen.
  • Verständnis: Haben Sie als Kind mit gleichen Problemen gekämpft, erzählen Sie es Ihrem Kind. Es fühlt sich verstanden. Es erkennt, dass dies ein lösbares Problem ist.

Mein Kind ist ein Angeber!?

Hören Sie im Gespräch mit anderen Kindern, wie Ihr Kind so richtig angibt? "Ich kann schon allein zum Papa ins Büro fahren", "Ich habe gestern beim Fußball fünf Tore geschossen" und so weiter. Nichts davon ist wahr.

Stellen Sie diese Unwahrheiten nicht vor den anderen Kindern richtig. Sprechen Sie lieber hinterher mit Ihrem Kind und versuchen herauszufinden, was hinter den Angebereien steckt.

Kinder denken sich solche Flunkereien aus, um andere damit zu beeindrucken. Anscheinend fühlen sie sich selbst unbedeutend. Versuchen Sie, das Selbstbewusstsein zu stärken. Es gibt sicher Dinge, die Ihr Kind gut kann. Ist es beispielsweise im Sport erfolgreich, kann es davon erzählen (ohne angeben zu müssen).

Kann ich mein Kind allein zu Hause lassen?

Lassen Sie Ihr Kind nicht allein zu Hause. Auch ein Fünfjähriger weiß sich in kniffligen Situationen nicht zu helfen.

Sind die Kinder zu zweit, besteht das Risiko, dass ihnen Unsinn einfällt. Ein liegen gelassenes Feuerzeug, ein scharfes Messer kann zu äußerst kniffligen Situationen führen.

Kinder in diesem Alter sind zwar schon sehr selbstständig, aber auch in manchen Situationen überfordert.

Die Freunde meines Kindes gefallen mir nicht

Wer kann besser beurteilen als Ihr Kind selbst, wen es zum Freund haben will?

Im Kindergartenalter werden Kinder wählerischer mit Spielkameraden. Am liebsten haben sie Freunde, die die gleichen Spielwünsche haben und in der Nähe wohnen.

Die Wahl ist manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Warum hat Jan von gegenüber mehr Qualitäten als Moritz von nebenan? Das weiß Ihr Kind allein. Und es ist auch seine Sache.

Natürlich tauchen mit anderen Kindern andere Einflüsse auf. Der Freund hat vielleicht große Mengen Spielsachen von der Sorte, die in Ihrem Kinderzimmer keinen Einlass finden. Ihr Kind ist nun mit den eigenen Spielsachen unzufrieden. Erklären Sie, warum Sie selbst diese Dinge nicht kaufen möchten. Das bedeutet nicht, das andere Kind oder seine Familie herabzusetzen.

Die Kinder gehen meist unbefangen mit den Regeln der anderen Familie um. Hier lernt es neue Umgangsformen und Verhaltenweisen kennen. Es erweitert seinen Horizont. Wie können Sie mit der Situation zurechtkommen?

  • Unternehmen Sie etwas gemeinsam mit den Kindern. So haben Sie die ganze Sache im Blick. Und Sie haben die Gelegenheit, das neue Kind kennen zu lernen.
  • Übernimmt Ihr Kind Angewohnheiten, die Sie nicht gut finden, reden Sie mit ihm. Natürlich nicht in Anwesenheit des Freundes. Stellen Sie klar, dass Sie dieses Verhalten nicht akzeptieren werden.
  • Erklären Sie dem neuen Freund oder der neuen Freundin die Regeln, die bei Ihnen zu Hause gelten. Die meisten Kinder richten sich danach.