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Freiräume und Grenzen

Bei der Kindererziehung werden zunächst einmal viele und eng gesteckte Grenzen gesetzt. Je älter Kinder und Jugendliche werden, umso mehr weiten sich diese Grenzen aus. Dies betrifft sowohl die wörtliche als auch die übertragene Bedeutung des Wortes „Grenze“.

Der Bereich des Säuglings, in dem dieser lebt, spielt, Erfahrungen sammelt, beschränkt sich noch weitgehend auf die Krabbeldecke. Das Vorschulkind bewegt sich im Allgemeinen bereits selbstständig und sicher in der Umgebung des Elternhauses, des Kindergartens, des Spielplatzes. Das Schulkind entdeckt und erobert die Welt schon außerhalb dieser Grenzen. Einkäufe im nahe gelegenen Lebensmittelgeschäft kann es bereits allein tätigen. Das Dorf mit seinen Feldern und Wiesen, der Stadtteil mit seinen umliegenden Straßen, Häusern, Anlagen wird mehr und mehr zum Abenteuerspielplatz, zu seiner Umgebung.

Das Kind wächst in die zunächst noch so unüberschaubare Welt hinein, in der es jede Ecke erkundet, in der es Geheimnisse entdeckt, in der es die Möglichkeiten kennen lernt, die sie bietet. Je älter es wird, umso sicherer bewegt es sich in ihr.

Warum braucht mein Kind jetzt so viel Freiraum?
Freiraum geben in der Pubertät - was heißt das?
Unser Kind hält sich für unverletzbar - was können wir tun?
Grenzen - wie kann mein Kind sie leichter einhalten?

Warum braucht mein Kind jetzt so viel Freiraum?

Mit der Pubertät wird der Drang, die noch unbekannte Erwachsenenwelt kennen zu lernen, immer größer. Die Wissbegierde, Phantasie und Kreativität Ihres Kindes wollen nun anders befriedigt werden als bisher. Es will ohne elterliche Kontrolle (Loslösung von der Familie) entdecken, erobern, Grenzen kennen lernen und für sich finden.

Das ist nicht nur normal, es ist lebensnotwendig. Nur so kann Ihr Kind im Umgang mit der Welt eine Sicherheit entwickeln, die es braucht, um sich später in der Erwachsenenwelt zu behaupten. Das gehört zu seiner Identitätsfindung dazu.

Dieser Drang Ihres Kindes, sich von Ihnen immer weiter entfernen zu wollen, macht Sie vielleicht traurig. Das darf auch sein. Und doch sollten Sie sich nicht dadurch verführen lassen, Ihr Kind festzuhalten.

Allerdings braucht es auf diesem Weg die Liebe und Unterstützung seiner Eltern. Auch wenn Ihr Kind Ihnen häufig das Gefühl gibt (es vielleicht auch sagt), dass Sie sich besser auf Ihr Altenteil zurückziehen sollten, es braucht Sie noch.

Freiraum geben in der Pubertät - was heißt das?

Zweifellos braucht Ihr Kind Freiraum auf seinem Erkundungsweg in die Erwachsenenwelt, damit er sich entwickeln kann. Freiraum, das heißt die Welt erobern ohne elterliche Kontrolle. Und doch, gerade jetzt hat es andererseits Ihre Unterstützung besonders nötig. Es ist ja noch unsicher. Auch wenn es sich schon sehr erwachsen fühlt.

Es braucht also Unterstützung und gleichzeitig auch Grenzen, die sie ihm setzen. Eltern müssen sich also nicht verbiegen und alles tolerieren. Wenn Sie in allem nachgeben oder sich raushalten, entsteht bei Ihrem Kind irgendwann der Eindruck, dass Ihnen alles egal ist. Auch wenn es anstrengend ist, kommt durch Grenzsetzung die Botschaft rüber: „Es kümmert sich jemand um mich, ich bin meinen Eltern wichtig."

Trotzdem können Sie sicher sein, dass Ihr Kind immer wieder gegen die von Ihnen gezogenen Grenzen angehen wird. Aber genau die Möglichkeit muss es haben. Im Überschreiten der Grenzen lernt es sie kennen. Es erfährt, wo sie beweglich und wo sie unausdehnbar sind. Es lernt, bestimmte Grenzen anzuerkennen und andere als unnötige, sinnlose Beschränkung zu betrachten.

Sie werden erleben, dass Ihr Kind Sie um Rat fragt, um ihm dann doch nicht zu folgen. Das mag Sie ärgern. Versuchen Sie zu erkennen, dass es den Kontakt mit Ihnen sucht. Freuen Sie sich darüber. Es deutet darauf hin, dass es Vertrauen zu Ihnen hat. Auch wenn Sie einen guten Kontakt zu Ihrem Kind haben, sollten Sie nicht versuchen, Ihrem Kind alle seine Geheimnisse zu entlocken. Auch das ist ein Freiraum, den Ihr Kind jetzt dringend braucht.

Wenn Ihnen Ihr Kind deshalb nicht mehr alles anvertraut, heißt das nicht, dass es Sie nicht mehr liebt. Es liebt Sie nur anders - nicht mehr wie als Kleinkind.

Unser Kind hält sich für unverletzbar - was können wir tun?

Jugendliche neigen dazu, sich selbst zu überschätzen und sich für unverletzlich zu halten. Das hat eine positive Seite. Denn das gibt ihnen den Mut, Dinge auszuprobieren.

Andererseits kann es leider auch dazu führen, dass Jugendliche leichtsinnig werden. Selbst wenn die jungen Menschen um die Folgen wissen, die sich aus einem bestimmten Verhalten ergeben können, schätzen sie häufig die Gefahr für sich selbst falsch ein (Grenzüberschreitungen, Alterstypische Delikte und ihre Folgen).

Den besten Schutz bieten Eltern ihrem Kind, wenn sie mit ihm in Kontakt bleiben, ihm zuhören, ihm immer wieder Unterstützung anbieten.

Denken Sie daran, dass alle Eltern mit einem pubertierenden Kind in einer ähnlichen Lage sind wie Sie. Für niemanden ist diese Zeit einfach. Werden sie mit möglichen Schwierigkeiten nicht fertig, sind Sie als Eltern keine Versager.

Holen Sie sich dann Hilfe von außen. Zum Beispiel in einer Erziehungsberatungsstelle oder beim Jugendamt in Ihrer Nähe. Auch wenn Sie Ihr Kind am besten kennen, kann manchmal der Einfluss von Außenstehenden die notwendige Veränderung bringen.

Grenzen - wie kann mein Kind sie leichter einhalten?

Setzen Sie sich mit Ihrem Kind zusammen. Besprechen Sie gemeinsam, welche Regeln aufgestellt und eingehalten werden können und müssen. Berücksichtigen Sie dabei die Vorstellungen Ihres Kindes, dann wird es sich schließlich auch leichter an Absprachen halten.

Einigen Sie sich gemeinsam auf die Zeiten, zu denen Ihr Kind spätestens zu Hause sein muss (Ausgehen). Vereinbaren Sie, dass Ihr Kind Sie bei Verspätungen in jedem Fall über das Handy informiert.

Auch ein Anruf aus dem Urlaub in abgesprochenen Abständen ist machbar. Solche Vereinbarungen können ohne großen Aufwand eingehalten werden und geben Eltern und Kindern einen sicheren Rahmen.

Sie dürfen Ihrem Kind ruhig sagen, dass Sie Angst haben, wenn es unterwegs ist. Nur sagen Sie ihm auch deutlich, dass dies Ihre Angst ist. Dass es für Sie in Ordnung ist, wenn Ihr Kind diese Ängste nicht nachvollziehen kann. Sie dürfen sicher sein, dass es von allein rücksichtsvoller mit Ihnen umgeht, wenn Sie nicht versuchen, ihm durch Ihre Angst Schuldgefühle zu machen. Es wird deswegen nicht abends zu Hause bleiben, statt auszugehen, nicht auf die Urlaubsreise verzichten. Es wird aber wahrscheinlich nicht „vergessen“, sich zu Hause zu melden.