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Die soziale Entwicklung

Zwei- und Dreijährige halten sich sehr gern und in erster Linie bei Menschen ihrer engsten Umgebung auf. Mit großer Zärtlichkeit hängen sie an ihren Bezugspersonen.

Vorlieben für eine bestimmte Person können wechseln. Ist der Vater für das Einschlafen zuständig, wird er dafür auch bevorzugt. Tröstet die Mutter bei allen großen und kleinen Sorgen, wird sie diejenige sein, an die sich das Kind lieber wendet.

Fremden gegenüber verhalten sich Kinder in diesem Alter unterschiedlich: Manche Kinder sind sehr zurückhaltend, andere kennen keine Scheu. Wird ihnen echte Zuneigung entgegengebracht, zeigen sie ihre Gefühle vertrauensvoll und offen.

Zunehmend wird die Umwelt außerhalb der Familie interessant. Die Neugierde auf andere Kinder wächst.

Kann mein Kind alleine bei einer anderen Person bleiben?
Die ersten Spielgefährten
Immer Streit ums Spielzeug?
Warum kommt es so schnell zu heftigen Auseinandersetzungen?
Ist mein Kind unsozial, wenn es nicht teilt?

Kann mein Kind alleine bei einer anderen Person bleiben?

Das erste Mal ohne: Die Zeit ohne die Eltern ist eine wichtige Erfahrung.

Bisher war Ihr Kind nur mit seinen Bezugspersonen zusammen. Es konnte sich auf Schutz und Sicherheit seiner gewohnten Umgebung verlassen.

Langsam beginnt es sich zu lösen und selbstständig zu werden. Eine kurze Abwesenheit der Bezugsperson wird von den meisten Kindern gut verkraftet.

Sie können Ihrem Kind und sich selbst diese neue Situation erleichtern:

  • Es kennt den Ort. War Ihr Kind schon einige Male mit Ihnen zusammen an dem Ort, wo es bleiben soll?
  • Es kennt den Grund. Erklären Sie in einfachen und verständlichen Worten, warum es "bei der Oma" (oder woanders) bleiben soll.
  • Es weiß den Zeitpunkt und die Dauer. Sagen Sie Ihrem Kind Zeitpunkt und Dauer nicht zu lange vorher. Das Zeitverständnis ist in diesem Alter noch nicht sehr ausgeprägt.
  • "Üben" Sie. Lassen Sie das Kind kurze Zeit bei Menschen, die es sehr gut kennt.
  • Seien Sie konsequent. Weint Ihr Kind, beruhigen Sie es liebevoll. Dann gehen Sie. So lernt Ihr Kind zwei Dinge: Der Trennungsschmerz kann bewältigt werden. Und: Sie kommen wieder.
  • Führen Sie ein Abschiedsritual ein. Immer wiederkehrende Abläufe geben Ihrem Kind Sicherheit. Gehen Sie keinesfalls, ohne dem Kind Bescheid gesagt zu haben. Selbst wenn es bereits in ein Spiel vertieft ist.
  • Fällt Ihnen die Trennung selbst schwer? Kinder spüren sehr genau, wenn eine Situation für die Eltern nicht stimmt. Das verunsichert sie. Lassen Sie Ihr Kind nur an einem Ort, wo Sie es in guter Obhut wissen. Und bedenken Sie, dass Ihr Kind von einer anderen Umgebung profitieren kann. Ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit ist getan.
  • Seien Sie erreichbar.
  • Loben Sie Ihr Kind. Teilen Sie die Freude über diesen wichtigen Schritt in Richtung Selbstständigkeit und Loslösung mit Ihrem Kind. Loben hat noch immer gut getan.

Die ersten Spielgefährten

Mit zunehmender Selbstständigkeit werden Kontakte zu anderen Kindern interessant.

Nicht alle Kinder tun sich leicht, Spielgefährten zu finden. Manche gehen einfach auf andere Kinder zu und sind sofort am Spiel beteiligt. Andere möchten lieber alleine bleiben. In der Regel spielen auch sehr zurückhaltende Kinder gerne mit anderen, sie brauchen nur etwas mehr Zeit.

Es spricht nichts dagegen, Spielfreunde einzuladen. Aber nur, wenn Ihr Kind das selbst will.

Mit ein oder zwei Spielfreunden im gleichen Alter wird Ihr Kind am besten zurechtkommen.

Jüngere Kinder spielen mehr nebeneinander her. Je älter Ihr Kind wird, desto länger dauern gemeinsame Spiele. Die Kinder lernen, sich einander anzupassen.

Geschwister sind kein Ersatz für gleichaltrige Spielkameraden, da die Fähigkeiten sehr unterschiedlich sind. Zwingen Sie die Kinder nicht, ein jüngeres Geschwisterkind mitspielen zu lassen. Mit der Bemerkung, wie "Du bist die Ältere" kann man auf wenig Verständnis hoffen. Spielen ist eben etwas Lustvolles. Jeder spielt doch lieber mit demjenigen, den er sich selbst ausgesucht hat.

Der Umgang mit anderen Kindern eröffnet Ihrem Kind neue Erfahrungen. Es erkennt, dass auch andere Erfolg oder Misserfolg haben. Durch den Vergleich mit den anderen kann es seine eigenen Fähigkeiten besser einschätzen. An dem Verhalten der anderen Kinder lernt es, welches Verhalten erfolgreich ist. Es lernt, sich auf die Interessen anderer einzustellen. Die Selbstständigkeit wird gefördert. Andere Kinder bringen neue Anregungen mit, von denen Ihr Kind profitieren kann.

Immer Streit ums Spielzeug?

"Das gehört mir!" In diesem Alter werden sehr schnell Sachen verschenkt, wieder zurückgefordert... Die Kinder können die Folgen des eigenen Handelns noch nicht einschätzen. Tauschen und Teilen will erst noch gelernt sein.

Im Streitfall vermitteln Sie unparteiisch. Nicht immer ist es möglich, den rechtmäßigen Besitzer eines Spielzeugs zu erfahren. Bevor Sie ein Kind ungerecht behandeln, ziehen Sie das Streitobjekt aus dem Verkehr. Erklären Sie den Kindern, dass Sie nicht feststellen können, wem das Spielzeug gehört. Darum behalten Sie es, bis sich die Gemüter beruhigt haben.

Der ständige Streit ums Spielzeug lässt im Lauf der Zeit nach. 

Warum kommt es so schnell zu heftigen Auseinandersetzungen?

In diesem Alter werden Auseinandersetzungen ungehemmt körperlich ausgetragen. Kleine Streitereien können sehr schnell dazu führen, dass mit Gegenständen geschlagen, gebissen oder gezwickt wird.

Lassen Sie die Kinder nicht zu lange alleine im Spielzimmer. Vermitteln Sie im Streitfall - und zwar unparteiisch! Nicht immer ist derjenige, der sich in den Mitteln vertan hat (zum Beispiel gebissen hat) der Böse.

Das richtige Maß für die Durchsetzung der eigenen Interessen muss erst noch gelernt werden. Erklären Sie deutlich, dass es nicht in Ordnung ist, anderen weh zu tun.

Die heftigen Streitereien bedeuten nicht, dass sich die Kinder nicht leiden können. Sie sind oft schnell vergessen. Nach kurzer Zeit wird wieder friedlich gespielt.

Oft verstecken sich hinter Streitereien kleine Machtproben: Kinder lernen, ihre Fähigkeiten einzuschätzen und zu vergleichen.

Der Spielablauf wird harmonischer, wenn nicht zu viele Kinder (zwei oder drei) miteinander spielen. Bei einem Altersabstand von einem bis zwei Jahren sind die Interessen und Fähigkeiten ähnlich.

Ist mein Kind unsozial, wenn es nicht teilt?

"Dein Kind ist nicht sozial!" Diesen Spruch hören manche Mütter nur zu oft.

Die Entwicklung des Sozialverhaltens ist ein langwieriger Prozess, der in diesem Alter erst beginnt. Zwei- oder dreijährige Kinder können noch nicht großzügig teilen. Sie sehen das Abgeben von Dingen als Verlieren an.

Das Kind zu zwingen, Spielzeug abzugeben, ist wenig förderlich. Machen Sie ihm klar, dass kein Spiel zustande kommt, wenn es auf all seinen Sachen sitzt. Und es möchte doch gerne mit anderen spielen?

Langsam lernt das Kind, sich sozial zu verhalten, ohne eigene Interessen und Wünsche vollständig aufzugeben.