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Kindesmisshandlung

Körperliche und seelische Misshandlung eines Kindes sind selten eine einmalige Kurzschlusshandlung. Meist sind sie Folge einer Überforderungssituation und müssen als ein Notsignal der Familie an ihre soziale Umwelt gesehen werden.

In der Regel sind sie ein hilfloser Versuch, die Beziehungskonflikte zwischen Erwachsenen und Kindern zu bewältigen. Oft befinden sich die betroffenen Eltern selbst in einer belastenden Lebenssituation.

Was ist unter körperlicher Misshandlung zu verstehen?
Was ist unter seelischer Misshandlung zu verstehen?
Welche Folgen können entstehen?
Wohin können sich betroffene Eltern und Mitbürger wenden?
Können sich Kinder und Jugendliche selbst Hilfe holen?

Was ist unter körperlicher Misshandlung zu verstehen?

Körperliche Misshandlung umfasst alle gewaltsamen Handlungen, die dem Kind körperliche Verletzungen und Schäden zufügen.
Sie kann in vielen verschiedenen Formen ausgeübt werden. Verbreitet sind Schütteln im Säuglingsalter, Schläge und Prügel - auch mit Gegenständen, Kneifen, Treten und Schütteln, Ausreißen von Haaren, Verletzungen mit Gegenständen (Glasscherben, Messer und so weiter), Vergiftungen, Würgen und Ersticken sowie Verbrennungen, Verbrühungen und Unterkühlung.

Was ist unter seelischer Misshandlung zu verstehen?

Unter seelischer Misshandlung sind alle Äußerungen oder Verhaltensweisen zusammengefasst, die das Kind fortgesetzt verängstigen, es herabsetzen oder überfordern und ihm das Gefühl eigener Wertlosigkeit vermitteln. Dazu zählen:

  • Ablehnung,
  • Verweigerung emotionaler Zuwendung,
  • Ignorierung,
  • Isolierung,
  • Terrorisierung,
  • Erpressung.

Neben dem ablehnenden, zurückweisenden, abwertenden Verhalten kann auch die Überbehütung oder symbiotische Fesselung des Kindes - beispielsweise durch psychisch kranke Eltern - zu einer seelischen Misshandlung führen.

Ein Verstoß gegen das alters- und entwicklungsbedingte Selbststimmungsrecht der Kinder oder Jugendlichen ist weiterhin gegeben mit der Forderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder der Austragung eines Kindes gegen den Willen des Mädchens, Zwangsverheiratung, Bedrohung mit sogenanntem „Ehrenmord“.

Welche Folgen können entstehen?

Ob und in welchem Ausmaß körperliche und seelische Misshandlungen schädlich sind, hängt unter anderem vom Schweregrad der Misshandlung, vom Alter des Kindes und seinen Bewältigungsmöglichkeiten ab.

Je jünger das misshandelte Kind ist, umso größer ist das Risiko bleibender Schäden in seiner körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung bis hin zu lebensbedrohlichen und tödlichen Folgen.

Wohin können sich betroffene Eltern und Mitbürger wenden?

Bei körperlichen Verletzungen ist in jedem Fall eine ärztliche Versorgung vorrangig.
Sucht eine Mutter mit ihren Kindern in einer akuten Notsituation Schutz vor einem gewalttätigen Partner, so kann sie sich an ein Frauenhaus wenden.

Im Rahmen des Gewaltschutzgesetzes kann jeder Elternteil für sich oder für das von Gewalt betroffene Kind beim Familiengericht einen Antrag auf notwendige Schutzmaßnahmen stellen. Nach vorsätzlichen widerrechtlichen Körperverletzungen oder entsprechenden Drohungen kann dem Täter gerichtlich verboten werden,

  • die Wohnung der Antrag stellenden Person zu betreten,
  • sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung der verletzten Person aufzuhalten,
  • zu bestimmende andere Orte aufzusuchen, an denen sich die verletzte Person regelmäßig aufhält,
  • Verbindung zur verletzten Person, auch unter Verwendung von Fernkommunikationsmitteln, aufzunehmen (zum  Beispiel bei Telefonterror) und
  • ein Zusammentreffen mit der verletzten Person herbeizuführen. Allerdings muss das Gericht überzeugt sein, dass weitere Vorfälle zu befürchten sind. Im Vorfeld dieser gerichtlichen Entscheidungen kann die bei häuslicher Gewalt gerufene Polizei dem Täter einen Platzverweis erteilen und ihn mit einem befristeten Kontaktverbot belegen. Bei Zuwiderhandlungen soll die Polizei sofort informiert werden. Bei freiwilliger Wiederaufnahme des Täters in der Wohnung werden diese polizeilichen Maßnahmen beendet.

Nachdem der Platzverweis und das Kontaktverbot durch die Polizei grundsätzlich nur von vorübergehender Dauer sein können, bietet nur die unverzügliche Antragstellung auf gerichtliche Schutzanordnungen einen andauernden Schutz.

Informationen, Beratung und Hilfe werden sowohl von den Kinderschutzeinrichtungen, Erziehungs- und Familienberatungsstellen als auch von dem örtlichen Kreis- oder Stadtjugendamt angeboten.

Wichtige Anschriften beratender Einrichtungen in Bayern können dem Internet unter www.gewaltschutz.bayern.de oder unter www.blja.bayern.de/einrichtungen sowie der Broschüre "Handeln statt Schweigen" entnommen werden. Diese Broschüre kann kostenlos beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Winzererstraße 9, 80797 München angefordert werden.

Rat suchende Eltern, die sich nicht an eine Beratungsstelle wenden wollen, können sich anonym über das Elterntelefon informieren und beraten lassen. Dieses vom Kinderschutz-Zentrum angebotene, gebührenfreie Elterntelefon ist montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr unter der 

 Tel. 0800 111 0 550

zu erreichen.

Rund um die Uhr erreichbar sind die evangelische und katholische Telefonseelsorge unter der

Tel. 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222.

An die oben genannten Beratungsstellen können sich auch jene Mitbürger wenden, die misshandelte Kinder erleben, von einer Misshandlung erfahren oder den Verdacht hegen. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind auf das Wahrnehmen und auf die Mithilfe ihrer Umwelt angewiesen.

Schutz und Hilfe für diese Kinder hat auch das jeweils örtliche Kreis- oder Stadtjugendamt zu gewähren. Die verbreitete Sorge, dass das Jugendamt den Eltern ihre Kinder "wegnimmt", ist unberechtigt. Eine Inobhutnahme des Kindes durch das Jugendamt ist nur in akuten Notsituationen zum Schutze des Minderjährigen möglich. Ist der Schutz des Kindes vor weiteren Misshandlungen gewährleistet, stellt sich vorrangig die Aufgabe, die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit zu stärken und ihnen Hilfen zur Erziehung anzubieten. Eine Inobhutnahme des Kindes sowie eine Entscheidung gegen den Willen der Eltern kann letztendlich nur durch das Familiengericht erfolgen. Auch das Gericht kann Maßnahmen, mit denen eine Trennung des Kindes von der Familie verbunden ist, nur anordnen, wenn die Gefährdung nicht auf andere Weise, insbesondere durch öffentliche Hilfen, durch gerichtlich angeordnete Ge- oder Verbote beseitigt werden kann.

Können sich Kinder und Jugendliche selbst Hilfe holen?

Hilfesuchende ältere Kinder und Jugendliche, die sich keiner vertrauten Person öffnen können oder wollen, finden Information und Beratung unter der gebührenfreien "Nummer gegen Kummer" des Kinderschutzbunds,  von Montag bis Samstag, 14 bis 20 Uhr unter

Tel. 0800 111 0 333

Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung bietet Jugendlichen eine kostenlose Online Beratung an unter www.bke-jugendberatung.de. Für Jugendliche und Heranwachsende besteht zudem eine kostenlose Online Beratung unter www.kids-hotline.de.

Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das Jugendamt zu wenden. Sie können dort auch ohne Kenntnis der Personensorgeberechtigten beraten werden, wenn die Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an die Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt oder gefährdet würde.