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Markenkleidung

"Das zieh ich nicht an!" Warum möchte Verena (14) den von der Mutter gekauften Pullover nicht anziehen? Der falsche Name steht auf dem Etikett. Verena findet ihn vielleicht ganz schön. Sie weiß aber, dass sie mit diesem Stück bei ihren Freundinnen nicht punkten kann. Also bleibt der Pulli im Schrank liegen.

In der Pubertät reift die Persönlichkeit der Jugendlichen. Sie müssen ihren Platz in der Gesellschaft finden. Es ist nicht zu leugnen, dass Persönlichkeiten in unserer Gesellschaft auch am Besitz von Wertgegenständen gemessen werden. Der Besitz von wertvollen Dingen soll symbolisieren: Ich bin wer! Am wirksamsten wird dies mit Konsumartikeln gezeigt, die gerade in" sind.

Die Unsicherheit der Jugendlichen und auch die Sehnsucht nach Anerkennung der Clique, in der sie sich gern bewegen möchten, führt dazu, dass diese Tendenzen sehr offenkundig auftreten. Für viele Jugendliche ist nicht leicht zu erkennen, dass Statussymbole nicht alles sind. Und dass sie mit dem Tragen einer bestimmten Marke auf lange Sicht nicht zu einem angeseheneren oder gar besseren Menschen werden. Zunächst steht eben die Anerkennung der eigenen Gruppe im Vordergrund. Der Gruppendruck ist nicht zu unterschätzen.

Warum ist Kleidung für Jugendliche so wichtig?
Wer bezahlt die teuren Stücke?
Ist die Schuluniform die richtige Lösung?

Warum ist Kleidung für viele Jugendliche so wichtig?

In der Pubertät nimmt der Einfluss der Gleichaltrigen zu. Die Jugendlichen sind noch unsicher und brauchen die Anerkennung ihrer Freunde. Es bilden sich Cliquen, die sich von anderen Gruppen abgrenzen.

Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zeigt sich beispielsweise über die Sprachkultur oder die Musik, die gehört wird. Nach außen wird dies oft deutlich über das Tragen bestimmter Kleidung. Über die Klamotten kann jeder sehen, zu wem der Jugendliche gehört.

Dies ist übrigens kein Phänomen nur von Jugendlichen - auch Erwachsene zeigen mit ihrer Kleidung ihren Status.

Bei Jugendlichen ist dies noch verschärft zu beobachten. In manchen Gruppierungen von Jugendlichen stehen die Kleiderregeln sehr stark im Vordergrund. Andere Jugendliche sind eher lose in einer Gruppe oder nehmen ohne Probleme andere, die - aus welchen Gründen auch immer - die "Kleiderordnung" nicht einhalten, in ihre Clique auf.

Übrigens gibt es eine steigende Anzahl von "Markenverweigerern", die keinesfalls Markenklamotten tragen möchten. Auch hier wirkt das gleiche Phänomen: Die Abgrenzung von anderen Gruppen.

Wer bezahlt die teuren Stücke?

Bei allem Verständnis für die Wünsche der Jugendlichen - wer kann es sich leisten, sein Kind von Kopf bis Fuß in einer bestimmten Marke zu kleiden? Oft sind Stücke dabei, die sich die Eltern selbst nicht leisten würden.

Ist der Wunsch so dringlich, dass Geld für den Jugendlichen keine Rolle spielt, muss er selbst seine Reserven anzapfen. Das Taschengeld wird vermutlich nicht reichen. Viele Jugendliche übernehmen Jobs, um sich die teuren Teile kaufen zu können.

Eltern sollten nicht mehr Anteil an den Kleiderkosten übernehmen, wie sie für sinnvoll halten.

Merken die Jugendlichen, dass sie lange arbeiten müssen, um sich etwas Bestimmtes kaufen zu können, drängt sich bei ihnen vielleicht doch einmal die Überlegung auf, ob es dies wert ist.

Und sie können sich auch einmal überlegen, ob die Anerkennung von Freunden, die sie nur wegen der Kleidung mögen, so wertvoll ist.

Ist der Wunsch so dringend und sind die Eltern nicht bereit, dem selbstverständlich nachzukommen, kann er auch als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk verwirklicht werden.

Ist die Schuluniform die richtige Lösung?

In manchen Schulklassen wird der Status innerhalb der Klasse auch über die Kleidung bestimmt. In der Schule begegnen sich die Jugendlichen täglich, hier findet die "Kleiderbeschau" statt.

Und oft wird sie zum Problem. Da werden Jugendliche ausgegrenzt oder abgewertet. Oder sie werden einfach nicht beachtet.

Könnte das Einführen von Schuluniformen (die übrigens in anderen Ländern gang und gäbe sind) die Situation entschärfen? Mit der Einführung von Schuluniformen ist das Problem nur verlagert. Denn in der Freizeit unterliegen die Jugendlichen dem Gruppendruck genauso wie in der Schule.

Jeder Jugendliche möchte seine eigenen Vorstellungen und seinen individuellen Stil verwirklichen. Vordergründig wird dies durch die Kleidung gezeigt. Es geht damit nicht "nur" um eine bestimmte Marke, sondern um die Entwicklung eines eigenen Stils. Dieser kann und soll nicht unterdrückt werden. Denn die Jugendlichen sollen später auch als Erwachsene zeigen können, wer sie sind.