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Partnerschaft nach der Geburt

Die Geburt eines Kindes stellt eine Partnerschaft vor große Herausforderungen. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Die Intimität der Zweierbezeihung ist erst einmal dahin.

Bei aller Freude über Ihr Kind haben auch Sie sich vielleicht schon das eine oder andere Mal gewünscht, wieder mehr von Ihrer Partnerin, Ihrem Partner zu haben.

Wie sollen wir mit dem ganzen Stress zurechtkommen?
Ist es noch normal, dass außer Eltern-Sein bei uns nichts anderes mehr möglich ist?
Was kann man tun, um die Partnerschaft lebendig zu halten?
Wie kann unsere sexuelle Beziehung wieder aufleben?

Wie sollen wir mit dem ganzen Stress zurechtkommen?

Jedes Kind, jede Familie ist anders. Allerdings verändert sich der Alltag von Paaren drastisch, sobald ein Kind da ist. Ihr Kind braucht ständige Fürsorge, und wenn es schreit, dann muss es getröstet werden - egal, womit Sie sonst gerade beschäftigt sind. Der Schlaf -Wach-Rhythmus von Babys ist anders als bei Erwachsenen. Bis ein Kind durchschläft, können Monate, manchmal bis zu zwei Jahren und mehr vergehen.

Wichtig ist hier, dass Sie die Aufgaben gut untereinander aufteilen. Auch wenn Sie durch Ihren Beruf mehr gefordert sind als Ihre Partnerin oder Ihr Partner: Bemühen Sie sich, verbindlich und regelmäßig für Ihr Kind da zu sein und feste Pflichten zu übernehmen. Die meisten Aufgaben, wie etwa das Füttern, das Zu-Bett-Bringen oder das Wickeln, kann man gut abwechselnd machen, wenn gerade beide Elternteile da sind. Andere Aufgaben (wie zum Beispiel das Kind zu baden oder am Abend noch ein wenig zu unterhalten) können vorrangig dem Elternteil vorbehalten bleiben, der tagsüber weniger Zeit mit seinem Kind verbringen kann.

Eine partnerschaftliche Rollenverteilung ist die beste Vorbeugung gegen Beziehungskrisen nach der Geburt eines Kindes. Wenn ein Partner sich mit der Verantwortung für die gemeinsamen Kinder vom anderen alleine gelassen, sich überfordert fühlt, hat er oft wenig Lust, sich anderweitig auf ihn einzulassen. Das hat große und oft sehr lang anhaltende Auswirkungen auf die Beziehung der Partner zueinander. Die eigentliche Beziehung findet dann eher zwischen Mutter bzw. Vater und Kind statt, die Partner entfremden sich.

Aber auch wenn Sie die Arbeit gerecht untereinander aufteilen, manchmal ist es einfach zu viel, besonders wenn der Beruf von einem oder beiden Elternteilen viel Zeit in Anspruch nimmt.

  • Fahren Sie Ihre Ansprüche herunter. Das Haus muss nicht immer sauber geputzt und aufgeräumt sein! Es muss nicht jeden Tag eine aufwendig gekochte und ausgewogene Mahlzeit geben! Lassen Sie doch auch mal fünf gerade sein.
  • Suchen Sie sich Unterstützung außerhalb der Familie. Das kann neben der professionellen Kinderbetreuung die nette Schülerin von nebenan sein, die für ein kleines Taschengeld gern Ihr Baby ausfährt, das kann die Freundin mit Kindern sein, bei der Sie - auf Gegenseitigkeit - Ihr Kind einmal für ein paar Stunden lassen können.
  • Besonders im Haushalt könnten viele junge Eltern Unterstützung gebrauchen. Eine Zugehfrau ist allerdings für die meisten unerschwinglich. Vielleicht können Sie sich dennoch das eine oder andere abnehmen lassen, mit ihrem Partner zusammen erledigen oder auch einfach mal überspringen. Ihrem Baby ist es egal, ob seine Strampelanzüge gebügelt sind oder nicht.
  • Nutzen Sie Angebote von Großeltern und anderen Verwandten, auf Ihr Kind aufzupassen oder Sie anderweitig zu unterstützen. Gönnen Sie sich in der Zeit, in der Sie Ihr Kind in guten Händen wissen, selbst etwas Schlaf, einen Friseurbesuch oder machen Sie etwas anderes Schönes für sich selbst.
     

Ist es noch normal, dass außer Eltern-Sein bei uns nichts anderes mehr möglich ist?

Wenn aus Paaren Eltern werden, ist die Aufmerksamkeit zunächst ganz und gar auf das gemeinsame Kind gerichtet. Das ist völlig nachvollziehbar und im Grunde wunderschön.

Nach ein paar Wochen jedoch kehrt unvermeidlich wieder so etwas wie Alltag ein. Trotz Baby muss Geld verdient und Wäsche gewaschen, müssen Einkäufe erledigt und Mahlzeiten zubereitet werden. Das Baby in die ganz normalen Abläufe des täglichen Lebens einzubeziehen, ist eine große Herausforderung. Vieles kann nur erledigt werden, wenn das Baby schläft oder sich ruhig verhält. Für Gespräche mit dem Partner, Zweisamkeit und Zärtlichkeiten ist die ungestörte Zeit ebenfalls sehr begrenzt. Was immer man gerade macht, es kann durch einen Schrei des gemeinsamen Nachwuchses jäh unterbrochen werden.

Besonders Männer sind dadurch manchmal frustriert. Bei ihnen entsteht oft der Eindruck, dass sich ihre Partnerin nur noch für das Baby interessiert. Besonders in Partnerschaften mit "klassischer Rollenverteilung", wenn also der Mann tagsüber außer Haus das Geld verdient und die Frau sich um die Kinder kümmert, ist die Gefahr groß, dass die Themen der Frau sich mehr und mehr um das Kind/die Kinder drehen und der Mann immer weiter aus dem gemeinsamen Projekt Familie herausgleitet.

  • Wie auch immer Sie sich organisiert haben: Sehen Sie die Familie als Ihr gemeinsames Projekt an, nicht als die Aufgabe eines einzelnen, der dem anderen "den Rücken freihält".
  • Machen Sie sich bewusst: Sie sind nicht nur Eltern, sondern auch ein Paar. Ihre Beziehung ist die Basis für die Familie. Sie tun nicht nur sich, sondern auch Ihren Kindern etwas Gutes, wenn sie Ihre Liebe hegen und pflegen.
  • Unternehmen Sie wieder mehr gemeinsam, auch mal ohne Kind. Scheuen Sie sich dafür nicht, Ihr Kind einem vertrauenswürdigen Babysitter oder einer liebevollen Oma anzuvertrauen.
  • In den wenigen Stunden, die Sie alleine mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin verbringen, sprechen Sie auch über andere Themen als über Ihr Kind.
  • Pflegen Sie den Kontakt mit anderen jungen Familien. Sie haben ähnliche Sorgen und Nöte wie Sie, aber auch ähnliche Freuden, einen ähnlichen Alltag. Sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, tut immer gut.

Was kann man tun, um die Partnerschaft lebendig zu halten?

Spontane Kurzurlaube, romantische Candlelight-Dinner, elegante, verführerische Outfits - über solche Versuche, eine Beziehung neu zu beleben, können Eltern von kleinen Kindern oft nur müde lächeln.

Apropos müde: Chronische Übermüdung betrifft fast alle jungen Eltern. Und wenn nach einem langen Tag das Kleine glücklich eingeschlafen ist, sinken seine Eltern nicht selten gleich hinterher in den Schlaf, manchmal schon beim Zu-Bett-Bringen. Wo bleiben also die Liebe, das Gespräch, die Zärtlichkeit, wenn erst einmal ein kleines Kind Ihr Leben durcheinander gebracht hat?

Es ist falsch, zu glauben, dass sich die Beziehung im Zusammenleben schon irgendwie ergibt. Dass sich zwischendrin immer mal Zeit und Gelegenheit finden, die Partnerschaft zu pflegen.

Besser ist es, das Ganze zu planen.

  • Nehmen Sie sich bewusst Zeit füreinander. Verabreden Sie sich zum Beispiel für einen festen Abend in der Woche, an dem Sie es sich zu zweit zu Hause gemütlich machen, wenn Ihr Kind schläft. Lassen Sie an diesen Abend den Fernseher aus.
  • Engagieren Sie wenigstens gelegentlich einen Babysitter, um mal wieder ins Kino oder zum Essen zu gehen. Auch Großeltern oder Freunde übernehmen diese Aufgabe oft gerne.
  • Tun Sie etwas für sich selbst! Egal ob Sie Sport treiben, Ihrem Hobby nachgehen oder einfach mal Freunde treffen: Nur wenn Sie gut für sich sorgen, bleiben Sie auch für Ihren Partner, Ihre Partnerin interessant. Ein freier Abend für jeden von beiden kann sich sehr positiv auf die Beziehung auswirken, man hat sich wieder etwas zu erzählen.
  • Bleiben Sie auch im Alltag im Kontakt mit Ihrer Partnerin, Ihrem Partner. Achten Sie auf den anderen, tauschen Sie sich aus! Rituale wie zum Beispiel die Umarmung nach dem Aufwachen, der Begrüßungs- und Abschiedskuss oder das abendliche Kuscheln auf dem Wohnzimmersofa können dabei helfen.
  • Sprechen Sie miteinander darüber, was Sie stört oder belastet, aber auch darüber, was Sie freut, was Sie sich wünschen, wovon Sie träumen. Gespräche mit dem Partner sollten sich nicht nur um Probleme oder Alltag drehen.
  • Bleiben Sie neugierig aufeinander. Fragen Sie nach, wenn "sie" Ihnen etwas erzählt. Zeigen Sie Interesse dafür, wie es "ihm" den Tag über ergangen ist.

Wie kann unsere sexuelle Beziehung wieder aufleben?

Nach einer Geburt braucht es etwas Zeit, um die gemeinsame Sexualität wieder genießen zu können. Sexualität nach der Geburt ist gelegentlich nicht so schön und befriedigend, wie es sich die Partner gewünscht haben. Körperliche Beeinträchtigungen bei der Frau wie ein schmerzender Dammschnitt oder mit Milch gefüllte Brüste können die ersten sexuellen Kontakte schwierig gestalten. Zudem sind junge Eltern oft schlicht zu müde für Sex. Je nachdem, wie viel Schlaf ihnen das Baby in der Nacht "gönnt". Liegt das Baby bei seinen Eltern im großen Bett, kann sich das das sehr hemmend auswirken. Auch wenn die Wiege bei Ihnen im Schlafzimmer steht, ist es eher schwierig, sich ungezwungen zu begegnen.

Für manche Männer ist es psychologisch nicht einfach, dass Ihre Frau zugleich die Mutter ihres Kindes und ihre Sexualpartnerin ist. (Dabei mag es auch eine Rolle spielen, welche Beziehung sie zu ihrer eigenen Mutter haben.) In unserer Gesellschaft zählt Mütterlichkeit nicht gerade zu den Zeichen sexueller Anziehungskraft. Die veränderte Rolle der Frau durch das Mutter-Sein kann beide Partner beim Sex irritieren. Frauen fühlen sich - kurz nach einer Geburt - in ihrem Körper nicht mehr so sicher und attraktiv, oft haben Sie noch ein paar Kilo mehr als vor der Schwangerschaft. Für ihre Partner jedoch ist das oft weniger störend als die veränderte Rolle, in der sich ja beide befinden.

  • Sprechen Sie offen mir Ihrem Partner, Ihrer Partnerin über Ihre Wünsche, Ihre Ängste und Ihre Probleme.
  • Nehmen Sie sich Zeit für Sex! Erwarten Sie nicht, dass es sich, wie früher vielleicht, irgendwie schon ergeben wird. Sonst ist sehr wahrscheinlich einer von Ihnen zu müde.
  • Mit dem Baby im Zimmer ist Sex eher schwierig. Die Partner können sich nicht so gut aufeinander einlassen, alles muss leise vonstatten gehen. Größere Kinder sollten ohnehin nicht im selben Zimmer sein, wenn ihre Eltern miteinander schlafen. Sie können nie sicher sein, dass Ihr Kind nicht aufwacht und Angst bekommt.
  • Besser ist es, wenn entweder die Wiege aus dem Schlafzimmer geschoben wird. Oder aber Sie als Paar suchen sich ein anderes "Liebesnest": Da sind der Fantasie ja keine Grenzen gesetzt.
  • Vielleicht kann Ihr Kind gelegentlich für einen Abend oder gar eine Nacht von den Großeltern oder einer anderen Person Ihres Vertrauens betreut werden. Das bietet auch für die Sexualität neue Freiräume.
  • Behalten Sie Ihren Humor! Natürlich ist es frustrierend, wenn eine sexuelle Begegnung durch Babyschreien ein abruptes Ende findet. Dennoch haben solche Situationen auch meistens eine gewisse Komik und schaffen Verbundenheit zwischen Ihnen, als Paar und als Eltern.